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Wortschätze

Jede Sprache hat ihre eigenen Besonderheiten. Ein kleiner Spaziergang durch einige Wortschätze der dänischen Sprache. Die Liste wird laufend ergänzt, besteht aus persönlichen Schätzen und wird nie vollständig sein.

 

Ein Mal Geld, bitte.

Besonderheiten in der dänischen Sprache.

Als ich vor fast 13 Jahren nach Dänemark zog, lernte ich als erstes, dass man alles, aber auch wirklich alles, im Geschäft und auch anderswo mit Karte bezahlen konnte und auch tat. Die Dankort in die Maschine, den superduper geheimen Code eingetippt, die grüne Taste gedrückt, bezahlt. Egal ob ein Kaugummi oder Großeinkauf.

Gelegentlich kam man aber immer noch mal in die Verlegenheit, Bargeld zu benutzen (warum kam, dazu komme ich später.) Eigentlich immer nur in kleineren und überschaubaren Mengen, und dafür brauchte man auch nicht zum Bankautomaten zu rennen. Das Zauberwort dafür an der Supermarktkasse war ”over”. Davor setzte man den Betrag, den man gerne haben wollte und danach ein höfliches ”Tak”. Dann wurden die, sagen wir mal, 500 Kronen auf die Rechnung aufgeschlagen, und man bekam beim Einkaufen sogar noch Geld heraus. Allein das machte Spaß.

Hatte man keinen Bedarf für eine Barauszahlung, antwortete man auf den fragenden Blick der Person an der Kasse mit einem freundlichen „På beløbet, tak.” – Auf den Betrag. Wir würden wahrscheinlich ”passend” sagen.

Kürzlich fiel mir auf, dass es richtig lange her ist, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste an der Kasse etwas sagen. Es scheint, dass sich ”over” und ”på beløbet” in den letzten, vielleicht zwei, drei Jahren?, abgeschafft haben. Wie das?

Während inzwischen auch in Deutschland an der Supermarktkasse Geld ”abgehoben” werden kann, dort aber, wie es mir scheint, aber eher als ”Bankautomat” genutzt wird, um anschließend in der Bäckerei nebenan wieder mit Bargeld bezahlen zu können, ist Bargeld in Dänemark ein Auslaufmodell.

Und in Dänemark hat das Bargeld auch aus einem anderen Grund ausgedient. Geldtransaktionen auf dem Flohmarkt, unter Freunden, aber auch im Supermarkt, werden inzwischen mit dem Telefon getätigt. In Dänemark ist das MobilePay, ein System der Danske Bank, das sich durchgesetzt hat, in Schweden „swished“ man. Übrigens, sogar Spende für die Kollekte in der Kirche wird so getätigt.

„Over“ gibt es übrigens noch immer. Aber größere Beträge dürfen es nicht sein. Münzen und Scheine sind auch in der Supermarktkasse eine Rarität geworden.

 

Anfang November ist  J-Tag

J-Dag oder x-dag ist der Tag in Dänemark, an dem es das erste Mal wieder Weihnachtsbier gibt.

Wenn es einen Buchstaben im Dänischen gibt, den ich wohl nie richtig aussprechen werde, dann ist es das „J“. Nein, ich übertreibe nicht, denn der liegt irgendwo mit gerollter Zunge hinten im Hals und wird mit O und L am Ende ausgesprochen: joll.

Deshalb ist der erste Freitag im November, an dem traditionell in Dänemark das Julebrygg, das Weihnachtsbier an den Start geht, immer eine Herausforderung: J-Dag! Den feiert übrigens nicht nur die große dänische Brauerei mit viel blau und die mit T anfängt, sondern auch die anderen. Die mit T sind aber am lautesten :-).

 

 

Overspringshandling – oder die erfolgreiche Vermeidungsstrategie

Der Leuchtturm von Lyngvig in Dänemark.

Es gibt im Dänischen das schöne Wort overspringshandling. Das beschreibt sehr bildlich die Tätigkeit die man gerade ausführt um das, was man eigentlich machen sollte, erst einmal liegen zu lassen. Man überspringt also eine Aktion oder Handlung.

Was hat das mit dem Leuchtturm in Lyngvig, der hier auf dem Bild zu sehen ist, zu tun? Er ist ein Angebot. Für alle, die das Wort noch einmal in seinen ganzen Möglichkeiten erleben wollen, biete ich hier eine schöne „overspringshandling“ an. In einem Artikel über die beliebtesten Attraktionen des Jahres 2017 gibt es einen Link, der euch auf eine Seite schickt, wo man so schön gucken kann, wo im schönen Dänemark welche Attraktionen am beliebtesten sind.

Übersprungsaktionen in Reinkultur. Der Leuchtturm in Lyngvig war danach mit 74.278 Besuchern die beliebteste Attraktion für „Region Mitteljütland“, „Landesteil Westjütland“.

Foto: Pixabay

 

 

Was war noch einmal… 50?

50 wird auf dänisch als Rechenaufgabe zweieinhalb mal 20 ausgedrückt.

Wer meint, das französische Zahlensystem sei eine einzige Rechnerei, der hat noch keine Bekanntschaft mit dem dänischen gemacht. Auch nach vielen Jahren sind mir alle Telefonnummern, in denen Kombinationen mit 50, 70 und 90 vorkommen, ein Gräuel, und ich wiederhole immer sicherhaltshaber die Zahlen noch einmal einzeln.
Warum?

Was bitte schön hat 50, also fünf-zig, mit zweieinhalbmalzwanzig zu tun…

Die Lösung: halvtreds (50) kommt von halvtredsindstyve und setzt sich aus halvtredje (für mich “Halbdritte”, bedeutet aber zweieinhalb), sinde (mal),tyve (20) zusammen. Das gleiche gilt für 70 (halvfjderds, hier ist es halvfjerde = dreieinhalb) und 90 (halvfems, halvfemte = viereinhalb).

Und damit zu zwei Geburtstagskindern von 2018: Das Legoland in Billund ist 50 (2 ½ mal 20) Jahre alt geworden und das Kopenhagener Tivoli feierte seinen 175. Geburtstag (hundert fünf und 3 ½ mal 20 :-))

 

 

Ein bisschen mehr „Pyt“

In Dänemark sagt man Pyt, wenn etwas egal ist.

Alle reden von Hygge. Ich rede heute einmal von PYT. Nicht die Pfütze (vandpyt), sondern den Ausruf “Pyt.” oder “Pyt med det.”. Pyt ist ein, wie ich finde, wunderschönes und hilfreiches Wort. Pyt sagt man in Dänemark nämlich, wenn wir in Deutschland “Egal” sagen würden. Mit langem dreifachen AAA.

Pyt heißt soviel wie, „ach lassen wir es, nicht ärgern, nicht zu ändern, auch egal, die Welt wird schon nicht untergehen.“ Das lernen schon die ganz Kleinen.

Damit man gelegentlich nicht vergisst, ab uns zu auf PYT zu schalten, und den Dingen nicht mehr Gewicht zu geben, als notwendig, hat man in Dänemark den „Pytknap“, den Pytknopf. Drauf drücken, „pyt“ sagen, und schwupti, schon geht es einem viel besser. Den gibt es tatsächlich u.a. nach eigener Aussage in einigen Coop-Läden (dazu gehören zum Beispiel die Brugsens) zu kaufen. Für sich selbst, oder für jemanden, den man kennt und vielleicht ab und zu lieber einmal PYT sagen sollte.

Den könnt ihr aber auch mit meiner Vorlage einfach selber basteln. Und auf Pappe kleben, auf den leeren Joghurtbecher, aus Holz aussägen… Und dann, wenn sich wieder einmal die Milch über den ganzen Tisch ergossen hat, einfach draufdrücken.

 

 

Was es mit dem Julefrokost auf sich hat

Wer sich schon immer gefragt hat, was es denn mit diesem Julefrokost auf sich hat:

Julefrokost
Direkt übersetzt ”Weihnachtsmittagessen”. Dänische Tradition und Institution. Zu den traditionellen Gerichten beim Julefrokost gehören Smørrebrød, eingelegter Hering (sild), Schweinekamm mit Kruste (flæskesteg), Frikadellen, Fleischpastete (leverpostej), Medisterwürsten, Schweinefilet (mørbrad). Danach gibt es Risalamande (Milchreis mit Sahne und Mandeln) und dazu trinkt man gerne Bier (z.B. Weihnachtsbier, juleøl, julebrygg) und Schnaps.

1) Dänische Familien haben die Tradition, sich am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag bei einem Familienmitglied (oder, seltener, aber auch, in einem Restaurant) zum Julefrokost zu versammeln.

2) Firmajulefrost: Wird ab Dezember an einem Tag vor Weihnachten gemeinsam mit den Kollegen gefeiert, mit den traditionellen Gerichten, gerne feucht und fröhlich. Besonderes Kennzeichen: Ab November werden in den Zeitungen (wieder) Statistiken darüber veröffentlicht, wie viele auf einem Julefrokost einen Kollegen geküsst haben/zu viel getrunken haben und sich nachher peinlich benommen haben/den Chef zu beleidigt haben/den Partner betrogen haben und so weiter und so fort.
Anmerkung: Das kann, muss aber nicht so sein. Richtig ist, dass in vielen Unternehmen ordentlich gefeiert wird :-).

 

 

Warum „Danke“ sagen eine besondere Disziplin ist

Zu den besonderen Disziplinen in einem fremden Land und einer fremden Sprache gehört die Höflichkeit. Hier ist der Weg steinig, und es hilft nur zuhören, aufpassen, lernen. Und es um die 100 mal verkehrt machen. Selbst so ein kleines harmloses Wort wie „Danke“ kann da schon eine Herausforderung werden. Vor allem in der Form „Tak for sidst!“ (ausgesprochen „Takk for sist“).

Tak wird im Dänischen gerne in festen Wendungen benutzt: Tak for maden (Danke für das Essen), Tak for lånet (Danke für das Ausleihen), Tak for kaffe/te (Danke für den Kaffee/Tee). Und eben Tak for sidst. Tak for sidst heißt direkt übersetzt „Danke für zuletzt“ und damit bedankt man sich nach einem Fest, einer Zusammenkommst, einem Treffen. Nur, und da wird es kompliziert für Nicht-Dänen, bei wem alles und wann, und vor allem wie lange danach noch.

Wo wir in Deutschland typisch einem Gastgeber noch einmal für einen netten Abend oder Veranstaltung danken, bedanken sich in Dänemark auch die Gäste untereinander noch einmal – wenn sie sich (zufällig) wieder begegnen. Das kann dann auch nach Wochen, wenn nicht Monaten sein. Eine schöne Geste, wie ich finde, weil es immer schön ist, wenn sich jemand an einen erinnert (man kann die Person durchaus zum ersten Mal getroffen haben). Leider auch am Rand von peinlich, wenn man sich partout nicht mehr erinnern kann, wann und wo es nun eigentlich gewesen ist. Eine Katastrophe für Menschen mit einem schlechten Personengedächtnis.

Die gute Nachricht ist, ich habe nie erlebt, dass irgendjemand sauer war, wenn man nicht (als erster) „Tak for sidst“ gesagt hat. Die schlechte, es kann dauern, bis man in dieser Disziplin wirklich sicher ist.

 

 

Ein Wort und viele Möglichkeiten: das „Nå“

Hier geht es um das kleine und vielbenutzte Wort „Nå”. „Nå“ gibt es als Kurzform, oder als langgestrecktes „Nåååå…“. Das besondere Merkmal ist, abgesehen davon, dass es als Wort gilt, dass „Nå“ vielfältig und variantenreich in der dänischen Sprache und von den Dänen eingesetzt wird.

Das „Nå“, das erst einmal vorweg, ist in der Aussprache ein leicht nasales No oder Nooo, für das wir Deutsche den Mund etwas weiter aufmachen müssen (ich vergleiche das gerne mit einem Karpfenmund), und die Nase etwas weiter zu. Nå.

Für „Nå“ beschreibt das dänische Online-Wörterbuch „ordnet.dk“ eine Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten, von Skepsis, Unglauben, Überraschung über Ungeduld bis hin zu niedlich. Von Nå! (Wenn du das sagst…) bis Nååå, wie niedlich. Es gibt also eine lange und eine kurze Aussprache (bei ordnet.dk „nå“ und „nåh“). Was ordnet.dk dann aber nicht vermitteln kann, ist die Intonation. Und genau darauf kommt es an.

Die Dänen sind sich übrigens der Herausforderung, die dieser Ausruf offenbar für alle anderen Menschen birgt, die nicht Muttersprachler sind, bewusst. Das Sprachzentrum (sprogcenter) in Kopenhagen bietet Dänischkurse für Ausländer an und sagt zum Wort „nå“ auf seiner Homepage: „Die dänische Sprache kann eine große Herausforderung sein. Sie ist nicht nicht besonders leicht auszusprechen und manche Wörter haben mehr als eine Bedeutung. Ein gutes Beispiel ist das dänische Wort „Nå“, das Dänen für alles Mögliche benutzen, von der Beleidigung bis zum Kompliment, je nach Aussprache. Wenn du mit der dänischen Sprache deine Schwierigkeiten hast, ist „Nå“ ein guter Punkt, um zu starten. Denn wenn du das mit dem „Nå“ beherrschst, dann ist es nicht mehr weit, dass du fließend dänisch sprichst.“ Na denn!