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Wortschätze

Jede Sprache hat ihre eigenen Besonderheiten. Ein kleiner Spaziergang durch einige Wortschätze der dänischen Sprache. Die Liste wird laufend ergänzt, besteht aus persönlichen Schätzen und wird nie vollständig sein.

 

Haderslev – oder die Sache mit dem d

Das dänische Pendant zu Fischers Fritze heißt bekanntlich „Rød grød med fløde“. Ich sage nur, das ist Kindergeburtstag. Versucht euch mal mit ”Haderslev” (Häersleuv, oder so…).

Das Ding mit der dänischen Sprache ist ja, dass nicht nur Buchstaben, sondern ganze Silben gerne mal beim Sprechen verschwinden. Entweder ganz, oder irgendwo im Mund. Ein gutes Beispiel ist das D. Das, meint man als ungeübter Sprecher, wird dann eben nicht ausgesprochen, wenn wir es als ungeübte Hörer nicht hören. Aber ganz so einfach ist das nicht.

Fuld, mand, kvinne, werden in der Tat zu „full“, „männ“, „kwinne“. Das heißt dann stummes D.

Danach wird es kompliziert, nicht nur bei der Erklärung sondern auch und vor allem bei der Aussprache. Denn beim weichen D, wie es dann heißt, verschwindet der Buchstabe, so wie wir ihn kennen, nur scheinbar. Vielmehr wird es zu etwas, das d in der Aussprache dem englischen „th“ ähnelt. Das heißt, die Zungenspitze rutscht zwischen die Zähne. Aber eben auch nicht ganz.

Auf www.decademic.com wird es so beschrieben:
“Hier wird die Zungenspitze an den unteren Zahnkamm gepresst, während sich der mittlere Teil der Zunge dem Gaumen nähert und so (für „deutsche Ohren“) ein eher [l]-artiger Laut entsteht.”

“Rød”, “grød” und “fløde” sind also nicht “rö”, “grö” und “flöe”. Vielmehr verschwindet das “d” hinter der umgestülpten Zunge im Mund und man ahnt seine Existenz nur noch.

Und jetzt zu Haderslev, einer Stadt in Süddänemark.

Hä-thers-leuv? So irgendwie in der Art. Klingt bei mir bloß nie, wie es klingen soll.

Mir wurde erzählt, dass Haderslev auf Sønderjysk (sönnerjüsk), das ist der Dialekt, der in Südjütland gesprochen wird, zu „Hasslev“ (gesprochen wie gelesen) wird. Das macht die Sache nicht logischer, ist aber viel leichter auszusprechen…

 

Ein Wort und viele Möglichkeiten: das „Nå“

Hier geht es um das kleine und vielbenutzte Wort „”. „Nå“ gibt es als Kurzform, oder als langgestrecktes „Nåååå…“. Und in vielen anderen Formen dazwischen. Kurz gesagt: „Nå“ wird vielfältig und variantenreich in der dänischen Sprache und von den Dänen eingesetzt.

Das „Nå“, das erst einmal vorweg, ist in der Aussprache ein leicht nasales No oder Nooo, für das wir Deutsche den Mund etwas weiter aufmachen müssen (ich vergleiche das gerne mit einem Karpfenmund), und die Nase etwas weiter zu. Nå.

Für „Nå“ beschreibt das dänische Online-Wörterbuch „ordnet.dk“ eine Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten, von Skepsis, Unglauben, Überraschung über Ungeduld bis hin zu niedlich. Von Nå! (Wenn du das sagst…) bis Nååå, wie süß. Es gibt also eine lange und eine kurze Aussprache (bei ordnet.dk „nå“ und „nåh“). Laut Dänischem Sprachzentrum in Kopenhagen, das auf seiner Homepage ebenfalls über den Nå-Reichtum der dänischen Sprache philosofiert, gibt es 12 Varianten (fragt aber auch, ob es welche vergessen hat). Denn: auf die Länge und Intonation kommt es an.

Die Dänen sind sich übrigens der Herausforderung, die dieser Ausruf offenbar für alle anderen Menschen birgt, die nicht Muttersprachler sind, bewusst. Das besagte Sprachzentrum (sprogcenter) in Kopenhagen bietet übrigens Dänischkurse für Ausländer an und sagt zum Wort „nå“ auch noch auf seiner Homepage:

„Die dänische Sprache kann eine große Herausforderung sein. Sie ist nicht nicht besonders leicht auszusprechen und manche Wörter haben mehr als eine Bedeutung. Ein gutes Beispiel ist das dänische Wort „Nå“, das Dänen für alles Mögliche benutzen, von der Beleidigung bis zum Kompliment, je nach Aussprache. Wenn du mit der dänischen Sprache deine Schwierigkeiten hast, ist „Nå“ ein guter Punkt, um zu starten. Denn wenn du das mit dem „Nå“ beherrschst, dann ist es nicht mehr weit, dass du fließend dänisch sprichst.“

Na denn!

 

Dingsda. Dims.

Dims ist das dänische Wort für Ding.

Fans der Olsenbande wissen natürlich genau was das ist. Dieses halbrunde Ding aus Messing, das so ein bisschen aussieht wie ein Boomerang und mit dem sich Benny in zahlreichen Olsenbanden-Filmen Zugang zu allen möglichen (und unmöglichen) Orten verschafft hat.

Das stimmt. Auch. Dims benutzt man auf Dänisch, wenn wir auf Deutsch „Ding“ sagen und kommt laut ordent.dk sprachgeschichtlich auch daher. Also für etwas, für das man keinen Namen hat oder sich eben gerade nicht erinnern kann. Ein Dingsda, Ding, Dims eben.

Aber nicht nur in Deutschland kennt man sprachliche Füller aus anderen Sprachen. So wie sich Olsenbandenfans in Deutschland an dem Wort Dims (oder Dimsen) erfreuen, so erfreuen sich die Dänen an dem Wort Ding. Bis 2018 gab es auf DR2, dem dänischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen, eine Techniksendung mit dem Namen „So ein Ding“. Hier wurden alle möglichen technischen „dimser“ vorgestellt. Sie lief mit hoher Popularität seit 2009, und der Name ließ sich gut merken, da es im Dänischen die Redewendung gibt „So ein Ding muss ich auch haben“. Und meint „so ein Ding muss ich auch haben“.

Laut „Dansk Fremmedordbog“ stammt diese Redewendung, die also Dänen wirklich geläufig und bekannt ist, aus dem Roman Siegfried von Lindenberg (1779) den wiederum ein Johann Gottwerth Müller von Itzehoe (1743-1828, geboren in Hamburg, gestorben in, genau, Itzehoe) geschrieben haben soll. Mir waren alle drei Dinge zugegebenermaßen vorher gänzlich unbekannt. Mir scheint, das ist zumindest das Ergebnis meiner kurzen Online-Recherche, dass der gute Johann Gottwerth Müller von „so ein Ding“ in seinen Texten häufiger verwendet hat. Wieso ausgerechnet die Dänen das in ihren Wortschatz aufgenommen haben? Keine Ahnung. Aber was ein Dims ist, das wissen wir.

 

Hva’ba‘?

Hä? Wir kommen jetzt zu einem Wort, bei dem ich es mir anfangs etwas schwer getan habe, es zu benutzen. Nicht, weil ich unhöflich sein wollte. Aber dieses ”hvabebar” (’wabeha) lag einfach so fern von allem was ich bisher benutzt hatte, um darum zu bitten, das zuletzt gesagte noch einmal zu wiederholen: Wie bitte?

Das heißt auf Dänisch „Hvadbehar?“ (‚wabeha), oder „Hvaba?“ (’wabba). Letzteres wird laut dänischer Online-Wörterbücher seltener genutzt, (was ich jetzt aber so nicht bestätigen kann). Die lange Variante ist übrigens „Hvadbehager?“ (wabehäer). Was das bedeutet konnte mir der freundliche Mitarbeiter des „Danske Sprognævn“ (für alle, die sich in der dänischen Aussprache üben: Dänske Sprouneuwn, oder so) erklären. Das ist ein offizieller Sprachrat und eine Art Duden, den man sogar anrufen kann. Montag bis Donnerstag von 10 bis 12 stehen freundliche Mitarbeiter für sprachliche Knobelfragen bereit.

„Hvad behager“ ist danach eine Verkürzung von „was möchtet du mir gerne sagen“. Und wer die dänische Sprache kennt, weiß, wie beim Sprechen nicht nur Buchstaben sondern auch ganze Worte verschwinden.

Langer Rede, kurzer Sinn: für alle, die gerade dabei sind, Dänisch zu lernen, ist das sicher eine sehr hilfreiche Wendung. Merken, üben und sich vielleicht ein klitzekleines bisschen überwinden. Für alle, die sich immer gewundert haben, was das denn wohl für eine Lautkette sein soll: das war die Erklärung.

 

Das wird schon.

Det finder vi ud af.

Kürzlich wurde ich gefragt, wieso die Dänen denn so glücklich seien. Dazu gibt es sicher so viele Meinungen wie Menschen im Land. Sicher ist bestimmt, dass das Glas in Dänemark in der Regel eher halb voll als halb leer ist. Das gilt auch für die Einstellung, mit der man Herausforderungen angeht, und denen gerne mit drei Sätzen begegnet wird:

Det skal nok gå. (De skäl nock go) Das wird schon (gehen). (Lies: Mach dir mal keine Sorgen.)

Det finder vi ud af. (De finner wi u ä.) Da werden wir eine Lösung finden. (Lies: Die haben wir nicht jetzt sofort, aber das wird schon.)

Det ordner sig. (De ordner sei.) Das regelt sich schon. (Lies: Die Lösung ist zwar jetzt nicht zu sehen, aber da kommt schon eine, keine Bange.)

Ein „Optimismus-Muskel“, der sich bestimmt zu trainieren lohnt.

 

Ein bisschen mehr „Pyt“

In Dänemark sagt man Pyt, wenn etwas egal ist.

Alle reden von Hygge. Ich rede heute einmal von PYT. Nicht die Pfütze (vandpyt), sondern den Ausruf “Pyt.” oder “Pyt med det.”. Pyt ist ein, wie ich finde, wunderschönes und hilfreiches dänisches Wort. Pyt sagt man in Dänemark nämlich, wenn wir in Deutschland “Egal” sagen würden. Mit langem dreifachen AAA.

Aber was bedeutet Pyt. Pyt heißt soviel wie, „ach lassen wir es, nicht ärgern, nicht zu ändern, auch egal, die Welt wird schon nicht untergehen.“ Das lernen schon die ganz Kleinen.

Damit man gelegentlich nicht vergisst, ab uns zu auf PYT zu schalten, und den Dingen nicht mehr Gewicht zu geben, als notwendig, hat man in Dänemark den „Pytknap“, den Pytknopf. Drauf drücken, „pyt“ sagen, und schwupti, schon geht es einem viel besser. Den gibt es tatsächlich u.a. nach eigener Aussage in einigen Coop-Läden (dazu gehören zum Beispiel die Brugsens) zu kaufen. Für sich selbst, oder für jemanden, den man kennt und vielleicht ab und zu lieber einmal PYT sagen sollte.

Den könnt ihr aber auch mit meiner Vorlage einfach selber basteln. Und auf Pappe kleben, auf den leeren Joghurtbecher, aus Holz aussägen… Und dann, wenn sich wieder einmal die Milch über den ganzen Tisch ergossen hat, einfach draufdrücken.

 

Warum „Danke“ sagen eine besondere Disziplin ist

Zu den besonderen Disziplinen in einem fremden Land und einer fremden Sprache gehört die Höflichkeit. Hier ist der Weg steinig, und es hilft nur zuhören, aufpassen, lernen. Und es um die 100 mal verkehrt machen. Selbst so ein kleines harmloses Wort wie „Danke“ kann da schon eine Herausforderung werden. Vor allem in der Form „Tak for sidst!“ (ausgesprochen „Takk for sist“).

Tak wird im Dänischen gerne in festen Wendungen benutzt: Tak for maden (Danke für das Essen), Tak for lånet (Danke für das Ausleihen), Tak for kaffe/te (Danke für den Kaffee/Tee). Und eben Tak for sidst. Tak for sidst heißt direkt übersetzt „Danke für zuletzt“ und damit bedankt man sich nach einem Fest, einer Zusammenkommst, einem Treffen. Nur, und da wird es kompliziert für Nicht-Dänen, bei wem alles und wann, und vor allem wie lange danach noch.

Wo wir in Deutschland typisch einem Gastgeber noch einmal für einen netten Abend oder Veranstaltung danken, bedanken sich in Dänemark auch die Gäste untereinander noch einmal – wenn sie sich (zufällig) wieder begegnen. Das kann dann auch nach Wochen, wenn nicht Monaten sein. Eine schöne Geste, wie ich finde, weil es immer schön ist, wenn sich jemand an einen erinnert (man kann die Person durchaus zum ersten Mal getroffen haben). Leider auch am Rand von peinlich, wenn man sich partout nicht mehr erinnern kann, wann und wo es nun eigentlich gewesen ist. Eine Katastrophe für Menschen mit einem schlechten Personengedächtnis.

Die gute Nachricht ist, ich habe nie erlebt, dass irgendjemand sauer war, wenn man nicht (als erster) „Tak for sidst“ gesagt hat. Die schlechte, es kann dauern, bis man in dieser Disziplin wirklich sicher ist.

 

Was war noch einmal… 50?

50 wird auf dänisch als Rechenaufgabe zweieinhalb mal 20 ausgedrückt.

Wer meint, das französische Zahlensystem sei eine einzige Rechnerei, der hat noch keine Bekanntschaft mit dem dänischen gemacht. Auch nach vielen Jahren sind mir alle Telefonnummern, in denen Kombinationen mit 50, 70 und 90 vorkommen, ein Gräuel, und ich wiederhole immer sicherhaltshaber die Zahlen noch einmal einzeln.
Warum?

Was bitte schön hat 50, also fünf-zig, mit zweieinhalbmalzwanzig zu tun…

Die Lösung: halvtreds (50) kommt von halvtredsindstyve und setzt sich aus halvtredje (für mich “Halbdritte”, bedeutet aber zweieinhalb), sinde (mal),tyve (20) zusammen. Das gleiche gilt für 70 (halvfjderds, hier ist es halvfjerde = dreieinhalb) und 90 (halvfems, halvfemte = viereinhalb).

Und es hilft leider nur eins: üben. Und am besten die Zahlen, sicher ist sicher, einzeln wiederholen.

 

Ein Mal Geld, bitte.

Besonderheiten in der dänischen Sprache.

Als ich vor fast 13 Jahren nach Dänemark zog, lernte ich als erstes, dass man alles, aber auch wirklich alles, im Geschäft und auch anderswo mit Karte bezahlen konnte und auch tat. Die Dankort in die Maschine, den superduper geheimen Code eingetippt, die grüne Taste gedrückt, bezahlt. Egal ob ein Kaugummi oder Großeinkauf.

Gelegentlich kam man aber immer noch mal in die Verlegenheit, Bargeld zu benutzen (warum kam, dazu komme ich später.) Eigentlich immer nur in kleineren und überschaubaren Mengen, und dafür brauchte man auch nicht zum Bankautomaten zu rennen. Das Zauberwort dafür an der Supermarktkasse war ”over”. Davor setzte man den Betrag, den man gerne haben wollte und danach ein höfliches ”Tak”. Dann wurden die, sagen wir mal, 500 Kronen auf die Rechnung aufgeschlagen, und man bekam beim Einkaufen sogar noch Geld heraus. Allein das machte Spaß.

Hatte man keinen Bedarf für eine Barauszahlung, antwortete man auf den fragenden Blick der Person an der Kasse mit einem freundlichen „På beløbet, tak.” – Auf den Betrag. Wir würden wahrscheinlich ”passend” sagen.

Kürzlich fiel mir auf, dass es richtig lange her ist, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste an der Kasse etwas sagen. Es scheint, dass sich ”over” und ”på beløbet” in den letzten, vielleicht zwei, drei Jahren?, abgeschafft haben. Wie das?

Während inzwischen auch in Deutschland an der Supermarktkasse Geld ”abgehoben” werden kann, dort aber, wie es mir scheint, aber eher als ”Bankautomat” genutzt wird, um anschließend in der Bäckerei nebenan wieder mit Bargeld bezahlen zu können, ist Bargeld in Dänemark ein Auslaufmodell.

Und in Dänemark hat das Bargeld auch aus einem anderen Grund ausgedient. Geldtransaktionen auf dem Flohmarkt, unter Freunden, aber auch im Supermarkt, werden inzwischen mit dem Telefon getätigt. In Dänemark ist das MobilePay, ein System der Danske Bank, das sich durchgesetzt hat, in Schweden „swished“ man. Übrigens, sogar Spende für die Kollekte in der Kirche wird so getätigt.

„Over“ gibt es übrigens noch immer. Aber größere Beträge dürfen es nicht sein. Münzen und Scheine sind auch in der Supermarktkasse eine Rarität geworden.

 

Overspringshandling – oder die erfolgreiche Vermeidungsstrategie

Gibt es dafür eigentlich ein deutsches Wort? Also, man sollte eigentlich etwas tun oder hat sich etwas vorgenommen und macht aber etwas ganz anderes (was natürlich viel angenehmer, lustiger, weniger stressig usw. ist)?

Im Dänischen gibt es dafür das wunderbar bildliche Wort overspringshandling. Über-sprungs-tätigkeit. Man sieht sprichwörtlich vor sich, wie man erst über die eine Aufgabe und dann über das nächste Vorhaben hüpft.

Das dänische Online-Wörterbuch ordnet.dk beschreibt eine „overspringshandling“ trocken als „weniger relevante Tätigkeit die man ausführt, um das erst einmal zu verschieben oder ganz bleiben zu lassen, was man eigentlich tun sollte oder vor hatte“.
Unter dem Strich bleibt: overspringshandling klingt wesentlich freundlicher, positiver und aktiver als, sagen wir mal, „Vermeidungstaktik“.

Mein Vorschlag: Overspringshandling durch konsequenten Gebrauch (ähnlich wie Hygge) in die deutsche Sprache einführen. Oder ein ähnlich schönes deutsches Wort erfinden (oder vorschlagen, wenn es doch schon eines gibt :-)).

P.S. Ich habe zwischenzeitlich gelernt, dass „Übersprungshandlung“ ein Begriff ist, der in der Hundeausbildung eine Rolle spielt. Ist aber nicht gaaanz das gleiche.

 

Warum Kartoffeln in Dänemark Glück haben

die dänische Redewendung en heldig kartoffel

Ein Ausflug in das Land der Lieblings-Redewendungen. Diesmal ist es die glückliche Kartoffel – „din heldige kartoffel“ oder „en heldig kartoffel“.  So wird nämlich jemand in Dänemark genannt, der Glück hat.

Wer mit Glückspilzen aufgewachsen ist, also der Vorstellung freundlich lächelnder Fliegenpilze, findet die Vorstellung, sagen wir ungewöhnlich.

Jetzt liegt die Vermutung für ein landwirtschaftlich geprägtes Land wie Dänemark nahe, dass der Ursprung für diese Redewendung aus diesem Bereich kommt. Aber weit gefehlt. Das dänische Sprachinstitut „Dansk Sprognævn” vermutet eher, dass hinter der Bezeichnung ein altes Seeräuberspiel aus dem 19. Jahrhundert steckt.

Der Überlieferung nach wurde bei einem Spiel mit dem Namen ”lad kartoflen gå” (lass die Kartoffel gehen) ein kleiner Gegenstand, typischer Weise eine Kartoffel, in einem Kreis von Mann zu Mann gereicht (ich denke, wir können hier davon ausgehen, dass es sich hierbei um Männer handelte), während ein weiterer in der Mitte versuchte, sie in den Besitz zu bekommen. Gelang dies nicht, war es eben ”en heldig kartoffel”. Eine Kartoffel, die noch mal Glück gehabt hat

 

Anfang November ist  J-Tag

J-Dag oder x-dag ist der Tag in Dänemark, an dem es das erste Mal wieder Weihnachtsbier gibt.

Wenn es einen Buchstaben im Dänischen gibt, den ich wohl nie richtig aussprechen werde, dann ist es das „J“. Nein, ich übertreibe nicht, denn der liegt irgendwo mit gerollter Zunge hinten im Hals und wird mit O und L am Ende ausgesprochen: joll.

Deshalb ist der erste Freitag im November, an dem traditionell in Dänemark das Julebrygg, das Weihnachtsbier an den Start geht, immer eine Herausforderung: J-Dag! Den feiert übrigens nicht nur die große dänische Brauerei mit viel blau und die mit T anfängt, sondern auch die anderen. Die mit T sind aber am lautesten :-).

 

 

Was es mit dem Julefrokost auf sich hat

Wer sich schon immer gefragt hat, was es denn mit diesem Julefrokost auf sich hat:

Julefrokost
Direkt übersetzt ”Weihnachtsmittagessen”. Dänische Tradition und Institution. Zu den traditionellen Gerichten beim Julefrokost gehören Smørrebrød, eingelegter Hering (sild), Schweinekamm mit Kruste (flæskesteg), Frikadellen, Fleischpastete (leverpostej), Medisterwürsten, Schweinefilet (mørbrad). Danach gibt es Risalamande (Milchreis mit Sahne und Mandeln) und dazu trinkt man gerne Bier (z.B. Weihnachtsbier, juleøl, julebrygg) und Schnaps.

1) Dänische Familien haben die Tradition, sich am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag bei einem Familienmitglied (oder, seltener, aber auch, in einem Restaurant) zum Julefrokost zu versammeln.

2) Firmajulefrost: Wird ab Dezember an einem Tag vor Weihnachten gemeinsam mit den Kollegen gefeiert, mit den traditionellen Gerichten, gerne feucht und fröhlich. Besonderes Kennzeichen: Ab November werden in den Zeitungen (wieder) Statistiken darüber veröffentlicht, wie viele auf einem Julefrokost einen Kollegen geküsst haben/zu viel getrunken haben und sich nachher peinlich benommen haben/den Chef zu beleidigt haben/den Partner betrogen haben und so weiter und so fort.

Anmerkung: Das kann, muss aber nicht so sein. Richtig ist, dass in vielen Unternehmen ordentlich gefeiert wird :-).